Keine bildungspolitische Zweiteilung des Landkreises

Veröffentlicht am 15.03.2007 in Pressemitteilungen

Der SPD-Kreisverband Karlsruhe-Land hat auf seiner Kreisvorstandssitzung auf Anregung der Jusos die Frage der bildungspolitischen Spaltung des Landkreises wegen der Festsetzung des baden-württembergischen Kultusministeriums von Französisch als Pflichtfremdsprache ab der fünften Klasse an den weiterführenden Schulen diskutiert. Die Umsetzung dieser Verwaltungsvorschrift im Landkreis führt hier zu der bizarren Situation, dass Kinder, die an der Grundschule in ihrem Heimatort mit Französisch als erster Fremdsprache begonnen haben, durch den Schulwechsel an eine weiterführende Schule in der Nachbargemein-de mit Englisch ab der fünften Klasse konfrontiert werden und andersherum. Insbesondere im Landkreis Karlsruhe wird der bildungspolitische Wahnsinn, den die Einführung der „Rheinschiene“ nach sich zieht, deutlich.

Nein zum Konzept der „Rheinschiene“

Der SPD-Kreisverband Karlsruhe-Land kritisiert daher die folgenden Punkte:

1. In Zeiten, in denen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern verlangt wird, mobil zu sein, dürfen nicht bereits in einem Landkreis zwei bildungspolitische Konzepte aufeinander prallen. Ein Arbeitsplatzwechsel wird so für verantwortungsvolle Eltern zu einem Risiko für die Fremdsprachenerziehung ihrer Kinder. Die Einführung der Rheinschiene ist unverantwortlich.

2. Fremdsprachenbildung muss durch entsprechende Fachkräfte erfolgen. Die SPD Karlsruhe-Land kritisiert daher die fehlenden Fachkräfte für kindgerechten Fremdsprachenunterricht an den Grundschulen.

3. Die Durchlässigkeit bei den Fremdsprachen muss an den weiterführenden Schulen garantiert sein. Der Elternwille kommt bei der Verwaltungsvorschrift des Kultusministeriums zu kurz. Nach dem Motto „Vogel friss oder stirb!“ sind Eltern nun gezwungen, das Fremdsprachenangebot anzunehmen, das an den weiterführenden Schulen angeboten wird. Beispiele:

a) Ein Kind hat 4 Jahre Französisch an der Grundschule und wechselt aus der Rheinschiene heraus an ein Gymnasium, das dann mit Englisch ab der 5. Klasse anfängt.

b) Ein Kind wechselt von der Grundschule in die örtliche Realschule, außerhalb der Rheinschiene, mit Englisch ab der fünften Klasse. Es ist sehr talentiert und darf ab der 6. Klasse auf das Gymnasium wechseln. Dieses liegt aber in der Rheinschiene und die Kinder an dieser Schule haben bereits seit der 1. Klasse Französisch.

Die SPD-Kreisvorsitzende Ruth Römpert kritisiert dieses Konzept: „Damit leistet die Landesregierung der Fremdsprachenbildung einen Bärendienst. Dieses Konzept ist ein Rückschritt zum bestehenden System. Sie schadet nur der Fremd-sprachenbildung unserer Kinder.“

Hinsichtlich der Aktivitäten der Jungen Union im Landkreis bemerkt der stellvertretende Kreisvorsitzende Roman Götzmann aus Waghäusel: „Der Kultusminister ist von der CDU. Die CDU hat dieses Konzept irgendwann einmal beschlossen. Die Junge Union ist die Jugendorganisation der CDU. Wo war denn die JU als der Beschluss getroffen wurde? Wo war da ihr Protest? Wieso ver-sucht die JU nicht innerhalb der Partei die Dinge zu ändern?
Die Unterschriftenaktion der JU ist billiger Populismus.“

Die Alternative zur CDU heißt nicht Junge Union, sondern SPD.

Ja zu einer verantwortungsvollen Fremdsprachenbildung

Die SPD Karlsruhe-Land begnügt sich jedoch nicht damit, die bestehende Konzept zu kritisieren. Der stellvertretende SPD-Kreisvorsitzende aus Stutensee, René Repasi, erklärt: „Es geht nicht darum, zwei Fremdsprachen gegeneinander stellen zu wollen. Unsere Kinder müssen für den europäischen Arbeitsmarkt ausgebildet werden. Die gleichaltrige Konkurrenz ins-besondere aus Mittel- und Osteuropa kommt bereits dreisprachig auf diesen Arbeitsmarkt. Eine verantwortungsvolle Bildungspolitik muss darauf reagieren.“ Nach den Vorstellungen der SPD soll daher bereits im Kleinkindalter mit dem Unterricht der ersten Fremdsprache begonnen werden. Repasi verweist auf den deutsch-französischen Kindergarten, den die Arbeiterwohlfahrt Karlsruhe jetzt eingerichtet hat: „Das ist der richtige Weg.“ Hierfür braucht man jedoch geschultes Personal. Das Kultusministerium müsste also entsprechende Lehrerstellen schaffen. Weiter muss eine einheitliche Regelung für ganz Baden-Württemberg ge-schaffen werden. „Im Idealfall eigentlich für ganz Deutschland“, so Repasi. Dadurch dass im Kleinkindalter mit der ersten Fremdsprache begonnen werde, gilt es zu berücksichtigen, dass man in diesem Alter mit dem muttersprachlichen Gedächtnis erlernt. Daher sollen Kinder in diesem Alter, so Kinderpädagogen, eine Fremdsprache erlernen, die kaum mit der Muttersprache zu verwechseln ist: mithin eine romanische Sprache. „Die Landesregierung schafft jedoch heute die Voraussetzungen dafür, dass ein sinnvoller Fremdsprachenunterricht, der unsere Kinder fit machen soll für den europäischen Arbeitsmarkt, unmöglich sein wird“, erklärt Repasi. Ein weiterer Beweis dafür, warum der UN-Sonderberichtserstatter Munoz dem deutschen Bildungssystem die Schulnote 6 verpasst hat.

Eine verantwortungsvolle Bildungspolitik, so der SPD-Kreisverband Karlsruhe-Land, diktiert nicht von oben aus Stuttgart herab. Sie überlässt es vielmehr den Schulen, sich eigenverantwortlich ein eigenes Fremdsprachenprofil zu geben. Sie respektiert den Elternwillen bei der Entscheidung für Fremdsprachenerziehung ihrer Kinder.

 
 

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