Fragen an die SPD-Fraktion in Stutensee

Veröffentlicht am 19.07.2020 in Gemeinderatsfraktion

Von Wolfgang Sickinger, Fraktionsvorsitzender

Die Mitglieder der SPD-Fraktion wurden in der letzten Zeit aus der Bürgerschaft insbesondere zum zukünftigen Bio-Abfallsystem, zu den Altpapiersammlungen der Vereine, zu inner- und außerörtlichen Blühstreifen sowie zur ressourcenschonenden Holzbauweise und naturnahen Waldbewirtschaftung angesprochen. Auf die wichtigsten Fragen wollen wir hier eingehen.

Das zurzeit in der Vorbereitungsphase befindliche und mit Jahresbeginn 2021 startende Bio-Abfallsystem liegt zwar in der Zuständigkeit des Landkreises, betrifft aber alle Bürger*innen vor Ort. Auf die Frage, warum keine verbindliche Biotonne, sondern ein auf Freiwilligkeit basierendes Hol- und Bringsystem eingeführt werde, können wir zunächst auf die landesweiten Abfallstatistiken der letzten Jahre verweisen. Diese zeigen, dass die Restmüllquote im Landkreis bereits ohne Biotonne unter dem Landesdurchschnitt liegt. Das ist auf die hohe Müllvermeidungs- und Eigenkompostierungsquote vieler Kreiseinwohner insbesondere in den ländlichen Bereichen zurückzuführen. Und gerade diese umweltbewussten Menschen sollen nicht zu einer gebührenpflichtigen Tonne gezwungen werden, die sie nicht benötigen. Deshalb halten die SPD-Fraktionen in unserer Stadt und im Landkreis das freiwillige System für gerechter.

Die Grundstückseigentümer können frei entscheiden zwischen gebührenpflichtiger Biotonne, gebührenfreiem Bringsystem und der Eigenkompostierung. Für das Bringsystem erhalten die Haushalte je nach Bedarf Biobeutel, die in speziellen Transporteimern zwischengelagert werden können. Auf den Grünabfallplätzen stehen dann Container bereit, in denen die Biobeutel bis zum Abtransport deponiert werden.

Die Bioabfälle werden schließlich vom Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises in Vergärungsanlagen zur Biogaserzeugung und in Kompostierungsanlagen zur Humusgewinnung verwertet und bleiben damit nach den Vorschriften des Kreislaufwirtschaftsgesetzes den Stoffkreisläufen erhalten.

Der Ressourcenschonung und -wiederverwertung dienen seit Jahren auch die Altpapiersammlungen der Vereine, die in vielen Fällen von den Jugendabteilungen durchgeführt werden und der wertvollen Jugendarbeit zugute kommen. Nachdem der Markt für Altpapier teilweise zusammengebrochen ist und den Vereinen darüber hinaus durch die Coronakrise Einnahmen aus Veranstaltungen, speziellen Angeboten und Vermietungen von Vereinsräumen fehlen, haben wir uns weiterhin dafür ausgesprochen, die Vereine auch zukünftig durch die Stadt für sortenrein gesammeltes Altpapier finanziell zu unterstützen.

Der Artenschutz ist uns ein weiteres wichtiges Anliegen. In manchen Gesprächen wurden von einigen Bürger*innen Zweifel an der Wirksamkeit von innerörtlichen Blühstreifen geäußert. Bestandsaufnahmen zeigen jedoch, dass durch solche städtischen Blühstreifen und Blühbeete in Privatgärten eine größere Artenvielfalt entstanden ist als außerorts im Bereich intensiv genutzter landwirtschaftlicher Flächen. Sehr zu begrüßen ist mittlerweile die Bereitschaft mancher Landwirte, Blühstreifen auf ihren Nutzflächen anzulegen. Da solche Blühstreifen nicht nur Nahrungs- sondern auch Lebensraum für viele Insektenarten und andere Kleintiere sind, sollte der Entwicklungszyklus dieser Organismen nicht durch ein zu frühes Abmähen während der Vegetationsperiode beeinträchtigt werden.

Schließlich wurden wir auch auf unsere Einstellung gegenüber dem nachhaltigen Rohstoff Holz als Baumaterial und einer naturnäheren Bewirtschaftung des Waldes angesprochen. Für uns ist klar, dass Holz bei städtischen Baumaßnahmen stärker berücksichtigt werden sollte. Holz als dauerhafter Kohlendioxidspeicher ist zukünftig - soweit konstruktiv möglich und wirtschaftlich - dem Beton vorzuziehen, der unter hohem Energieaufwand und enormen Treibhausgasemissionen hergestellt wird. Dass dies auch bei größeren Gebäuden möglich ist, zeigen z.B. beeindruckende Beispiele im österreichischen Bundesland Vorarlberg. Das Holz dazu stammt zumeist aus einheimischen Wäldern und wird auf kürzestem Weg zu den Baustellen transportiert. Nachhaltiges Bauen verbindet sich hier vorbildlich mit dem Prinzip der Regionalität.

Da eine regionale Holznutzung wesentlich klimaschonender ist als Holzimporte über tausende Kilometer hinweg zu verfrachten, ist auch bei uns weiterhin eine Forstwirtschaft mit Holzentnahme aus einheimischen Wäldern erforderlich. Wir benötigen einerseits großflächige Waldbereiche für den Artenschutz und zur Erholung, können aber andererseits auf Nutzwaldungen nicht völlig verzichten. Damit sind keine Monokulturen, sondern im Blick auf die Klimaveränderungen stabile Mischbestände gemeint. Was wir aber kritisch sehen, sind großflächige Abholzungen mit schweren Holzvollerntern, die breite Schneisen hinterlassen und zu Bodenverdichtungen führen, die das Bodenleben langfristig schädigen. Was die Zukunft unserer Gemeindewälder anbetrifft, sollten Stadtverwaltung, Ratsgremien, Bürgerinitiativen und Forstbehörde in einen konstruktiven Meinungsaustausch eintreten, um zu einem tragfähigen Konzept zu gelangen.

 
 

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